Warum gibt es noch keinen Fahrtenschreiber?

Die Angst der bayrischen Staatsregierung - oder wie man den Kopf in den Sand steckt!

Daß leistungsstarke Sender die Gesundheit ihrer Nachbarn gefährden, ist allen Fachleuten längst bekannt. Leider gibt es bei uns - ganz im Gegensatz zu anderen Ländern - noch keine Vorsorgemaßnahmen gegen die Verstrahlung der Bevölkerung. Nach Meinung der bayer. Staatsregierung gäbe es noch keine Beweise für diese Strahlenschäden. Das sollte auch so bleiben:

09.August 1996

Im bayr. Umweltministerium findet ein Gespräch mit Fachleuten statt. Es wird beschlossen, 50 belastete und 50 unbelastete Personen in der Umgebung des Senders Holzkirchen zu untersuchen, ähnlich wie bei der Untersuchung in Schwarzenburg. Der zuständige Abteilungsleiter hat in seinem Haushalt dafür bereits DM 200.000.- eingeplant. Auch der TÜV- Bayern hält diese Untersuchung für machbar. Es soll nur noch in der Staatskanzlei nachgefragt werden, ob es Einwände dagegen gäbe. Die Untersuchung wurde nicht gemacht. Fazit: Keine Erkrankungen gefunden - Kopf erfolgreich in den Sand gesteckt!

05. Februar 1997

Der Abgeordnete Jakob Kreidl beantragt im Landtag erfolgreich die Durchführung einer epidemiologischen Langzeituntersuchung der Senderanwohner. Das Umweltministerium ändert kurzerhand den Untersuchungsauftrag und läßt von der Firma Elekluft lediglich Feldstäkemessungen durchführen. Diese kosten dem Steuerzahler fast DM 100.000 und werden in Absprache mit dem „Kunden" IBB durchgeführt. Fazit: Neue medizinische Erkenntnisse verhindert - Kopf erfolgreich in den Sand gesteckt!

Mai 1998

Im Anhang der Meßergebnisse (die sogenannte Machbarkeitsstudie) schätzt der TÜV- Bayern die Kosten für eine epidmiologische Untersuchung, im Gegensatz zu seinen Aussagen zwei Jahre vorher, bereits auf mindestens DM 5.000.000.-. Fazit: Untersuchung auf die teuere Bank geschoben - Kopf erfolgreich in den Sand gesteckt!

16.März 1998

Beim Runden Tisch in Miesbach verspricht der damalige Umweltminister Dr. Goppel spontan, auf Staatskosten einen sogenannten Fahrtenschreiber für den Sender einzurichten. Alle Bürger könnten dann rund um die Uhr ihre Strahlenbelastung abfragen. Der amerikanische Konsul und IBB sind von dieser Idee nicht begeistert. Sie bieten als Ersatz an, ihre Sendertagebücher zu veröffentlichen. Die Staatsregierung nimmt das Angebot dankbar an. Fazit: Spontanen „Fehler" von Goppel ausgebügelt - Kopf erfolgreich in den Sand gesteckt!

September 1999

IBB beginnt ohne Genehmigung mit dem Umbau der Mittelwellenantenne. Auf Antrag der Gemeinde Valley erläßt das Verwaltungsgericht München einen sofortigen Baustopp. Der bayr. Innenminister ignoriert den Gerichtsbeschluß, zwingt den Miesbacher Landrat den Bau nicht einzustellen und legt auf Staatskosten sogar noch Beschwerde gegen den Beschluß ein, damit sich IBB den eigenen Anwalt sparen kann. Nach zwei Tagen sendet IBB bereits mit der neugestalteten Antenne. Fazit: Steuergeld verschwendet, höhere Strahlenbelastung für die Bürger, Problem ausgesessen - Kopf erfolgreich in den Sand gesteckt!

November 1999

Die Studie der Uni München ergibt, daß in der Hauptstrahlrichtung des Senders in der Gemeinde Valley 40% mehr Menschen an Krebs sterben als im Landesdurchschnitt. Aufgrund der Einwohnerzahl ist das Ergebnis statistisch jedoch nicht abgesichert. Die Daten werden so stark anonymisiert, daß eine Unterscheidung zwischen belasteten und unbelasteten Personen nicht mehr möglich ist. Der Umweltminister schließt daraus, es erkranken am Sender nicht mehr Menschen an Krebs als anderswo. Fazit: wertvolle Daten vernichtet, Fakten total verdreht, keine neuen Erkenntnisse - Kopf darf weiter in den Sand gesteckt werden!

02. März 2000

Bei einem Gespräch im Rathaus Valley wird mit allen Beteiligten endlich ein Meßkonzept für einen Fahrtenschreiber erarbeitet. IBB will daran nicht teilnehmen. Dieser Fahrtenschreiber ermöglicht allen Bürgern, ihre Belastung jederzeit über Internet abzurufen. Das Umweltministerium beauftragt die IABG auf seine (unsere) Kosten mit einer Konzeptstudie. Noch bevor diese veröffentlicht wird, erfährt die Öffentlichkeit aus der Zeitung, daß das Umweltministerium hinter dem Rücken der Beteiligten mit IBB über eine Erfassung der Senderdaten anstatt des Fahrtenschreibers erfolgreich verhandelt hat und dies im Nachhinein sogar noch bestreitet. Fazit: Fahrtenschreiber seit 1998 erfolgreich verhindert - Kopf in den Sand gesteckt!

Es wird immer mehr klar, daß die Staatsregierung zwar die Probleme der Menschen sieht, wie es der Ministerpräsident ausdrückt, aber nichts zur Lösung beitragen will. Im Gegenteil, sie hat IBB in fast schon peinlicher Ünterwürfigkeit, jede erdenkliche Hilfestellung geleistet!

Warum?

Es gibt noch immer keinen Fahrtenschreiber, damit die Bürger auch weiterhin keinen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und der Strahlenbelastung herstellen können. Offene Fragen sollen nicht geklärt werden. Das wahre Ausmaß der Gefahr soll weiterhin verdunkelt werden.

Kleine Probleme werden von den Politikern sofort gelöst - bei unserem großen Problem stecken sie den Kopf bisher erfolgreich in den Sand.