Bürgerinitiative

1995 findet die erste Informationsveranstaltung zu den Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung im Holzkirchner Oberbräusaal statt. Die neu gegründete Bürgerinitiative Sender-Freies-Oberland unter ihrem Vorsitzenden Georg Paul hatte dazu eingeladen und stieß auf großes Interesse der Bevölkerung. In der Folge machte der Verein durch immer neue Aktionen auf sein Ziel, den Standort des Senders IBB zu verlegen, aufmerksam. Dabei erhielt er breite Unterstützung in den Gemeinden. Holzkirchens Bürgermeister Manfred Glanz rief 1997 zu einer Unterschriftensammlung für die Stilllegung des Senders auf. 4600 Bürger folgten der Aufforderung. Die Listen werden der Bayerischen Staatsregierung übergeben.

Ein Jahr später 1998 gipfelt der Kampf der Anwohner in einem Bürgerbegehren "Keine Funksendeanlage in Oberlaindern", an dem sich alle vier angrenzenden Gemeinden beteiligen. Weit mehr als zwanzig Prozent aller etwa 20 000 Einwohner beteiligten sich daran, womit der Weg zum Bürgerentscheid geebnet wurde. Dieser aber wurde nicht nötig, da die vier Gemeinderäte von Holzkirchen, Warngau, Valley und Weyarn dem Willen des Bürgerbegehrens entsprachen. Sie votierten jeweils einstimmig dafür, alle möglichen rechtlichen Mittel für die Stilllegung des Senders einzusetzen.

Die Bürgerinitiative indes ruht in der Folge nicht, die Bevölkerung über neue Erkenntnisse über die Wirkung elektromagnetischer Felder aufzuklären und Politiker zum Handeln aufzufordern.

Zu einer großen Demonstration kam es im Sommer 1999, als über 500 Menschen zur Sendeanlage marschierten. Dabei wurde vor allem Bayerns Innenminister Günther Beckstein als "bester Anwalt" von IBB angeprangert. Quer durch alle Fraktionen beteiligten sich an diesen Aktion nicht nur Bürger sondern auch Politiker. Neben den kommunalen Mandatsträgern erhoben auch Landtags- und Bundestagsabgeordnete am Senderzaun ihre Stimme.

Mit Mahnwachen, großen Transparenten, wie "Dieser Sender macht uns krank" oder "Hier wird mit der Kraft von 20 000 Mobilfunkantennen gestrahlt" mobilisiert der Verein immer wieder die Öffentlichkeit. Er ist in diesem Kampf nicht allein. Mit Bürgerinitiativen in Wachenbrunn, Kootwijk (NL), Mainhausen und den erfolgreichen Sendergegnern im Schweizer Schwarzenburg pflegen die Mitglieder regen Austausch.

Das wichtigste Argument für eine Stilllegung des Senders ist dabei, dass der Oberlainderner Sender gar nicht erforderlich ist. Leicht könnten, so argumentiert Vorstand Georg Paul, andere IBB Stationen, die nicht in so dicht bebautem Gebiet liegen und daas Zielgebiet Zentralasien viel besser erreichen können, die Abstrahlung der Programme mit übernehmen.

Immer wieder wird deshalb im Verein der Verdacht laut, dass die Oberlainderner Station noch andere Zwecke als die Aussendung von Radioprogrammen habe. Eine Zusammenarbeit mit der NSA-Abhörstation im nahe gelegenen Bad Aibling wäre ebenso denkbar wie eine eigene CIA-Spionagetätigkeit in Holzkirchen. Für solche Vermutungen gibt es derzeit nur Hinweise jedoch keine Beweise.