Ein Christkindl-Geschenk

Umstrittener Sender IBB wird Ende 2003 abgeschaltet
VON STEPHAN KIPPES Valley - Seit acht Jahren sendet das amerikanische International
Broadcasting Bureau (IBB) vom Valleyer Ortsteil Oberlaindern (Kreis Miesbach) aus, und seit
damals kämpften die Bürger gegen eine gesundheitliche Gefährdung durch den Sender. Der
beharrliche Protest hat sich gelohnt: Offiziell zum 31. Dezember verstummt die "Stimme der
Freiheit".

"Ein schöneres Christkindl hätten sich die Valleyer nicht wünschen können", freute sich die
Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner, und Ober-Gegner Georg Paul von der Initiative
"Sender-freies Oberland" dankte für die "freundschaftliche Geste zu Weihnachten". Im
Münchner US-Generalkonsulat wurde der Aufhebungsvertrag offiziell unterschrieben, denn
eigentlich lief der Pachtvertrag noch bis 2005.

Generalkonsul Matthew Rooney würdigte bei der Unterschrift die "verdienstvolle Geschichte"
des Senders, der 50 Jahre - damals noch für Radio Free Europe - unzensierte Nachrichten in
die Krisenregionen der Welt ausgestrahlt habe. Auch Brian Conniff, Director des Broadcasting
Board of Governors, dem IBB untersteht, hob die Verdienste hervor. "Die Sendungen waren für
unsere Zuhörer ein Rettungsanker der Hoffnung." Doch durch den Einsatz moderner Technologien
verloren Kurzwellensender wie in Oberlaindern immer mehr an Bedeutung, so Conniff, der damit
auch den vorzeitigen Ausstieg begründete.

Die standhaften Proteste - unter anderem vor dem Auswärtigem Amt und einer Klage in den USA
- haben aber ihren Teil dazu beigetragen. Das wollte Heinz Walker, Regierungsdirektor des
Münchner Büros der Bundesvermögensverwaltung und damit Eigentümer-Vertreter, gar nicht
bestreiten. Die Verhandlungen über die Zukunft des Senders seien "politisch sehr hoch
gehängt worden". Der Verkauf an die Gemeinde Valley, die auf dem Gelände einen Golfplatz
errichten will, werde vielleicht noch dieses Jahr über die Bühne gehen, kündigte Walker an.
Den angeblichen Kaufpreis von sieben Millionen Euro wollte er nicht bestätigen. Die Kosten
für den Abbruch (600 000 Euro) trage der Bund, formal übernehme die Maßnahme die Gemeinde.
Bis zum 30. Juni 2004 sollen alle Sendeanlagen abtransportiert sein. Drei der vier
Kurzwellensender werden künftig auf den Philippinen zum Einsatz kommen.

Zum Abschied wurden alle Beteiligten noch einmal richtig wehmütig. Conniff lobte die gute
Zusammenarbeit mit Bundesrepublik und Freistaat: "Wir haben stets versucht, gute Gäste zu
sein." Man verlasse die Region "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Auch Valleys
Bürgermeister Josef Huber dankte den Amerikanern, "das werde ich auch noch schriftlich tun.
Wir werden das feiern, aber es wird keine Siegesfeier sein, sondern ein Freudenfest."
 

 

Holzkirchner Merkur, 18.12.2003