Reaktionen auf Aus für IBB-Anlage in Oberlaindern

„Kampf gegen den Sender hat Sinn gehabt“

Erleichterung, Dankbarkeit, aber auch Verbitterung, dass Entscheidung für manche zu spät
kommt Von Monika Ziegler und Christian Sebald

Landkreis - Die offizielle Nachricht von der Abschaltung des IBB-Senders am 31. Dezember ist
bei dem Valleyer Bürgermeister Josef Huber, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Sender
Freies Oberland“, Georg Paul, und dem Initiator der Petition gegen die Anlage, Pater Nicolai
Lochner, auf übergroße Freude und Erleichterung gestoßen. Zwar hatten die drei längst
gerechnet, dass dieser Schritt unmittelbar bevorsteht. Aber wegen früherer Enttäuschungen
warteten sie gespannt auf seine offizielle Bekanntgabe.

Huber, den die Nachricht gestern auf dem Weg zu einem Skiurlaub in Ratschins überraschte,
zeigte sich „überglücklich“ und „sehr dankbar“. Er kündigte an, dass er sich schriftlich bei
US-Generalkonsul Metthew Rooney für das Einlenken bedanken werde. Zugleich erinnerte er an
den langen Kampf nicht nur seiner Gemeinde und der Bürgerinitiative, sondern auch der
gesamten Bevölkerung im nördlichen Landkreis. Der entscheidende Schritt dabei sei gewesen,
als der Petitionsausschuss des Bundestages und später das Auswärtige Amt die Sorgen und
Ängste der Valleyer ernst genommen und angekündigt hätten, sich für die Abschaltung des
IBB-Senders einzusetzen. Von da an habe er fest geglaubt, dass die deutschen Behörden den
Pachtvertrag mit den USA zum 30. Juni 2004 kündigen würden. Dass die Amerikaner den Sender
nun schon ein halbes Jahr früher abschalten, sei ein großer Erfolg.

Paul reagierte ebenso überglücklich wie Huber. „Ich bin den Amerikanern sehr dankbar, dass
sie es nun doch eingesehen haben“, lautete sein erster Satz, als er von der Bekanntgabe der
Einstellung des Sendebetriebs erfuhr. Dass IBB als Grund dafür technische Änderungen genannt
hatte, tat seiner Freude keinen Abbruch: „Es ist mit egal, warum sie die Anlage absperren“,
sagte er. Außerdem erkläre seine Initiative schon seit Jahren, dass die IBB-Technik veraltet
sei. Wenn IBB jetzt die Argumentation übernehme, sei ihm das nur recht. Schließlich könnten
die Amerikaner aus ihrer Sicht nicht offen zugeben, dass der Sender schlimme Folgen für die
Anwohner gehabt habe und bis jetzt habe. „Die Anlage hat so viel Leid über Oberlaindern
gebracht“, sagte Paul. Deshalb denke er jetzt auch an die Menschen, für die ihre Abschaltung
zu spät komme.

Lochner sagte: „Dieses Ergebnis allein rechtfertigt meine Tätigkeit als Priester.“ Mit Blick
auf die Opfer, die die Strahlung des Senders nach Überzeugung der Valleyer gefordert hat,
erklärte er: „Ich weiß, wen ich alles begraben musste, darunter auch viele in jungen
Jahren.“ Auch für ihn sei es nicht einfach gewesen, zu merken, dass er immer kränker werde,
und dennoch zu bleiben. Aber jetzt sei er froh, geblieben zu sein. Denn das Wichtigste im
Leben sei, ihm einen Sinn zu geben und der Kampf für die Abschaltung des Senders habe Sinn
gehabt.

Nun wollen die Valleyer feiern, auch wenn es wie Bürgermeister Huber sagte, kein
„überschwängliches Siegesfest“ werden soll. Der Termin ist noch unklar. Aber Huber will,
sobald er aus dem Urlaub zurück ist, mit allen Helfern und Unterstützern das Datum
festlegen. Dann wird in Oberlaindern ein Zelt aufgestellt und das „größte
Weihnachtsgeschenk, das es für uns geben konnte“ (Huber), gebührend begangen. Paul und seine
Getreuen wollten schon gestern Abend auf den Erfolg anstoßen.
 

Holzkirchener SZ, 18.12.2003