Abschlussreferat des Schuljahres 2001/2002 des Schülers Florian Sulzinger (13 Jahre) :

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Das tägliche Leben im Schatten des

IBB Senders

Holzkirchen/Oberlaindern

Neben den Wohnhäusern ragen hinter einem bewachten Drahtzaun fünf riesige Sendemasten in den Himmel. Sie gehören der USA und senden seit 50 Jahren. Stunde für Stunde, Tag für Nacht. Derzeit Strahlen sie mit einer Leistung bis zu 700 000 Watt. Soger 1.000.000 Watt wären erlaubt. Tag und Nacht durchdringen elektromagnetische Wellen mit hoher Intensität die Köpfe und Körper der Menschen in Oberlaindern. Erst danach nehmen sie ihren weiten Weg in die Länder im Osten, bis nach Sibirien.

Es stehen noch weitere Stationen in Ismaning, Lampertheim und Biblis. Der stärkste Sender steht in Tanger (Marokko), dessen Zielgebiete Afrika, der Nahe Osten und Osteuropa sind.

Die Anlage in Oberlaindern bestand aus einer Mittelwellenantenne im Nordteil des Gebietes mit einer Höhe von 103 Metern, die in der Vergangenheit abends ab ca. 19 Uhr bis in die frühen Morgenstunden mit einer Durchschnittsleistung von 150 Kilowatt sendete. Die rundum ausstrahlende Antenne gab elektromagnetische Wellen der Frequenz 1593 Kilohertz nahezu paralell zum Erdboden ab. IBB plante vor Jahren, die Reichweite seiner Sendungen, die vorwiegend für Länder des ehemaligen Jugoslawien bestimmt sind, zu erhöhen und wollte statt des einen hohen Mastes drei kürzere von je 49 Metern errichten.

Diese sollten dann in einer Vorzugsrichtung strahlen. Um den Umbau der Mittelwelle ging es in mehreren Prozessen. Im April 2001 gab IBB plötzlich bekannt, dass die Mittelwelle abgeschaltet würde und die Sendungen auf einen Sender in Ungarn verlagert würden. Der ungarische Sender war aber bisher zeitgleich mit Holzkirchen betrieben worden. Die vier Kurzwellensender können mit einer Leistung von je 250 Kilowatt betrieben werden. Sie sind mit vier Vorhangantennen über eine Matrix (= mathematische Zusammenstellung von Größen (waagerechten und senkrechten Spalten)) so verbunden, dass bis zu drei Sender gleichzeitig über eine Antenne abgestrahlt werden können. Sie bestehen aus senkrecht angebrachten Netzen, die so groß wie Fußballfelder sind. Ihr Frequenzbereich liegt zwischen 5 und 19 Megahertz. Die Abstrahlung erfolgt gebündelt in nordöstlich Richtung Zentralasiens. Der Sender schickt die Wellen in einem Winkel von 6 Grad zur Erdoberfläche nach nach oben. Sie reflektieren in der Ionosphäre und strahlen von dort in die Zielgebiete. Solange die Mittelwellenantenne noch sendete, hatte IBB die Leistung der Kurzwelle auf je 100 Kilowatt reduziert. Danach gab es einige Unregelmäßigkeiten.

Zunächst wurde die Leistung der Kurzwellensender im April 2001 auf je 250 Kilowatt hochgefahren, dann wieder auf 100 Kilowatt gesenkt. Im Juni dann erhöhte IBB die Sendezeiten drastisch, da ein Kurzwellensender in Spanien geschlossen wurde und Oberlaindern die Programme mit übernehmen musste. Ebenfalls im Juni 2001 trat schließlich ein Störfall beim Sender auf, der laut IBB ein schlichter Sturmschaden mit Abriss eines Kabels war. Augenzeugen aber berichteten von einem großen Feuerball, der eine dreiviertel Stunde lang zwischen den Antennen pulsierte und mit gewaltiger Leistung Musik von sich gab. Die technischen Störungen sind z. B. der Fall mit der Kirchenorgel, die mitten in der Messe Unterhaltungsmusik von sich gab, auch Spülen und Dachrinnen fungieren als Antennen für die Programme. Selbst im entfernten Holzkirchen tönt aus den Haussprechanlagen der Sender, aus dem

CD - Player erklingen plötzlich russische Sendungen und selbst Funkanlagen von Polizei und Feuerwehr werden in regelmäßigen Abständen zu Empfangsanlagen ausländischer Berichterstattung. Ferngesteuerte Spielzeugautos fahren nachts von alleine durchs Zimmer, Garagentore öffnen und schließen sich wie von Geisterhand. Menschen wirken wie lebendige Antennen. Geht eine Frau in Oberlaindern durchs Zimmer, ertönt aus dem Fernsehgerät plötzlich der Sender. Selbst in Holzkirchen reicht eine ausgestreckte Hand, um den Sender zu empfangen. Es gab auch Katastrophen wie im Oktober 1970, wo der Sender den Absturz eines Starfighters verursachte, und auch 1984 kamen zwei Piloten beim Absturz eines Tornado - Kampfjets ums Leben. Erst Jahre später wurde der Zusammenhang mit den Radiowellen vom Verteidigungsministerium bestätigt. Die Steuerung der Maschine war durch das starke elektromagnetische Feld des Radiosenders gestört worden.